Stefan Arold - Interessantes für Interessierte

Meine Vespa PX 150

Vespa-LogoKnapp 20 Jahre hat es gedauert, bis ich mir eine Vespa gekauft habe. Es gab in all den Jahren nur wenige Zweiräder, für die ich so geschwärmt habe, wie für dieses Gefährt aus Pontedera. Obwohl ich einen Motorradführerschein besitze und ein wesentlich stärker motorisiertes Gefährt fahren könnte, war mir nie daran etwas gelegen. Aber eine Vespa, diesen Wunsch hatte ich schon immer. Zum einen, weil ich einige Klassenkameraden um diesen Roller beneidete, zum anderen, weil sowohl mein Bruder als auch mein Vater eine Vespa fuhren und heute noch fahren. Aufgrund vieler Gegebenheiten habe ich diesen Wunsch aber zunächst nicht weiter verfolgt. Erst kam das Studium, dann Arbeit und Familie, dann andere Interessen. Aber irgendwann wollte ich dann doch eines dieser eleganten und zeitlosen Fahrzeuge mein eigen nennen. In meinen Augen steht der Name "Vespa" für zeitloses Design und unkomplizierte Technik unter der geschwungenen Haube.

2009 wagte ich mich endlich zum ortsansässigen Händler. Doch ich musste feststellen, dass die Entwicklung auch an der Firma Piaggio nicht vorbei gegangen war. Die Vespa sah zwar noch wie eine aus, aber die Handschaltung war verschwunden und unter der Haube der größeren Modelle werkelte ein ziemlich diffizieler Viertakt-Motor mit Automatikgetriebe.

Nachdem ich nun so lange kein Zweirad mehr gefahren hatte, entschied ich mich zunächst für eine kleine Vespa und ich kaufte mir nach reiflicher Überlegung eine LX 50 Viertakt. Zwei Jahre fuhr ich sie und war im Grund genommen sehr zufrieden. Allerdings fand ich die Drosselung auf 45 km/h schon nach kurzer Zeit eine Zumutung. Der 4-Takt-Motor ist zudem nicht nur klein, sondern wegen der komplizierten Ventilsteuerung auch schwerer zu warten. Die Wartung ist da um einiges komplizierter als bei einem einfachen Zweitaktmotor. Als Laie stößt man leicht an seine Grenzen. Andererseits hatte die Kleine auch ihre Vorzüge:

1) Ein 50er Roller muss nicht zum TÜV und kann mit einem Versicherungskennzeichen betrieben werden. 

2) Der Verbrauch ist beim Viertakter geringer als beim Zweitakter.

3) Der 4-Taktmotor hat eine umweltverträglichere Technik weil kein Öl verbrannt wird.

Obwohl der Abzug gegenüber einem 2-Takter schwächer ist, zeigte die kleine Vespa im Stadtverkehr doch ihr ganzes Potenzial. An der Ampel kam ich immer gut weg. Nach zwei Jahren Automatikfahren mit 45 km/h hatte ich dann aber doch genug. Außerdem fehlte mir immer irgend etwas Bestimmtes. Da kam es mir gelegen, dass Piaggio 2011 das Urgestein der Vespa, die PX wieder ins Programm aufnahm.

Nun besitze ich eine rote PX 150, mit einem KAT ausgestattet, so dass auch die EU-Abgasnorm 3 erfüllt wird. Zunächst einmal musste ich mich aber umgewöhnen, da ich das Schalten mit der Hand überhaupt nicht gewohnt war. Außerdem liegt der Schwerpunkt aufgrund der Motoranordnung anders als bei einem Automatikroller. Ach ja, und die Räder sind mit 10 Zoll auch nicht gerade üppig. Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase macht mir nun das Fahren auf der PX aber richtig Spaß. Deswegen möchte ich sie für kein Geld der Welt mehr gegen einen anderen Roller eintauschen. Und weil ich meine PX besonders liebe, fahre ich sie auch nur bei schönem Wetter. Schließlich möchte ich noch viele Jahre etwas von ihr haben und darum behandle ich sie so, wie es sich gehört - wie eine italienische Schönheit eben. :-)

Alles in allem bringt die PX in der 150cm-Version 88 km/h auf die Straße. Das ist zwar immer noch kein Geschwindigkeitsrekord, aber für den alltäglichen Verkehr doch ausreichend. Bei dieser Geschwindigkeit muss man sich trotzdem in Demut üben. Denn 6 kW bedeuten nicht gerade Spritzigkeit bis zur Endgeschwindigkeit, aber wer braucht das schon als eingefleischter Vespa-Fahrer... Entschleunigung ist da das besondere Stichwort.

Natürlich gibt es auch Vorteile, die ich nicht verschweigen mag:                    

1) Die Zweitakt-Technik gehört einfach zu einer Vespa. Im Fall der Fälle kann man auch einmal etwas selber machen.
                  
2) Kraftfahrstraßen und Autobahnen muss ich mit meiner PX 150 jetzt nicht mehr zwangsläufig umfahren.

3) Automatik fahren ist zwar schön, aber in meinen Augen lebt die Vespa vom Schalten. Und dann noch         Handschaltung - einfach perfekt!

Schließlich und letztlich geht es natürlich auch um das Sehen und Gesehen werden. Es ist schön, wenn wildfremde Menschen meine "rote Else" mit Begeisterung betrachten, sobald ich sie abgestellt habe. Viele halten sie für einen Oldtimer (die sie ja im Grunde genommen auch ist), sind dann aber überrascht, wenn man erzählt, dass es sich dabei um das Modell des Jahres 2011 handelt. Für mich ist die PX das Vespa-Modell schlechthin.

Wer Vespa fährt, fährt nicht irgend einen Roller, es ist viel mehr - es ist ein Lebensgefühl, ein wahrer "Kult". Vespa verbindet Geschichte und Technik in einem. Sie hat Tradition und Stil auf der einen und verkörpert doch Modernität auf der anderen Seite. Das Konzept der selbsttragenden Blechkonstruktion hat sich seit der Entstehung der kleinen "Wespe" im Jahr 1946 so gut wie nicht geändert. In der Kraftfahrzeugtechnik dürfte es nur wenige derartige Konstanten geben. Vielleicht ist die Vespa noch am ehesten mit der Modellreihe 911 von Porsche zu vergleichen. Der Versuch der Firma Piaggio sich von dem Namen "Vespa" in den 90er Jahren zu trennen, hat fast eine Katastrophe herauf beschworen. Gottseidank ist man sich noch rechtzeitig der Tradition bewusst geworden, hat die Reißleine gezogen und zum alten Konzept zurückgefunden ohne altertümlich zu wirken. Der Erfolg zeigt sich auch darin, dass die Vespa trotz starker internationaler Konkurrenz auf dem Rollersektor immer noch weltweit die unangefochtene Nr. 1 ist. Coradino D'Ascanio sei Dank!

Was bleibt mir da zum Schluss noch übrig als zu sagen: "Vespa - Innen 2-Takt, außen Blech - alles andere ist nicht echt!"

Technische Daten meiner PX 150

Technische Angaben
Modell 150 cc
Motor Einzylinder 2-Taktmotor
Bohrung x Hub 52,5 x 57 mm
Hubraum 150 cm³
Verdichtungsverhältnis 8 ÷ 1
Vorzündung (vor O.T.) 18° ± 1
Vergaser DELL'ORTO Si 20/20 D
Empfohlene Zündkerze CHAMPION RL82C
Höchstgeschwindikeit 88 km/h
Gesamtbreite 745 mm
Gesamtlänge 1780 mm
Gesamthöhe 1110 mm
Benzinversorgung Mit Öl-Benzingemisch über Vergaser.
Auspuff-Schalldämpfer Typ Expansions-/Absorptionsauspuff mit doppeltem Katalysator.
Elektronische Zündung Zündelektronik mit eingebauter Zündspule.
Schmierung Getrenntschmierung des Motors (Kolben/Zylinder, Kurbelwelle, Kurbelwellenlager) mit durch 2-Taktölpumpe zugeführtem 2-Taktöl.
Kühlung Luftgekühlt durch Fliehkraftventilator
Technische Angaben
Vorderradbremse Scheibenbremse Ø 200 mm mit hydraulischer Betätigung (Bremshebel rechts am Lenker).
Hinterradbremse HinterradbremseTrommelbremse Ø 110 mm mit mechanischer Betätigung mit Bremshebel links am Lenker).
Räder Untereinander auswechselbar mit 10x2,10"Radfelgen aus Stahlpressblech.
Vorderreifen 3,50 x 10" 51 J
Hinterer Reifen 3,50 x 10" 51 J
Kupplung Mehrscheiben-Ölbadkupplung
Getriebe Ständig greifendes 4-Ganggetriebe
Radaufhängung/Federung Lenkrohr mit Drehpunkt an der Radnabe am Vorderrad. Radaufhängung/Federung mit Spiralfeder und doppelt wirksamen Öldruckstoßdämpfer.
Rahmen Selbsttragende Karosserie in Schalenbauweise, aus Stahlpressblech mit offener und geschlossener Form.
Gesamt-Fahrzeuggewicht fahrbereit 120 ± 6
Zuladung Fahrer + Beifahrer + Gepäck (10kg)


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