Verkehr in den 60er Jahren

In den sechziger Jahren zeichnete sich langsam aber sicher ein unaufhaltsamer Aufschwung in Deutschland ab. Der Individualverkehr nahm beständig zu. Zwar wurde der Berufs- und Pendlerverkehr noch immer überwiegend mit den öffentlichen Verkehrsmitteln abgewickelt, doch für längere Reisen insbesondere im eigenen Land bevorzugte man nun immer mehr das Automobil. Bei der sich abzeichnenden Konkurrenz für die Eisenbahn konnte sie nur der Verlierer sein, denn nur durch das Auto sah man gewährleistetet, dass man ganz individuell an den Ort gebracht werden konnte, zu dem man wollte; und das ohne störendes Umsteigen.

Nach wie vor war das Auto aber noch immer kein Gebrauchsgegenstand für den kleinen Geldbeutel. In vielen Fällen blieb nur eine Motorisierung mit den bereits aus den 50er Jahren bekannten Kleinautomobilen wie einer Isetta oder dem Goggomobil. In den 60er Jahren ging - zumindest was die Motorisierung mit Zweirädern betraf -  der Trend verstärkt zum Motorrad. Die Marken Zündapp, DKW, BMW oder Triumph wurden damals noch im eigenen Land produziert. 

Der zunehmende Individualverkehr brachte aber nicht nur Segnungen, sondern in seiner ganzen Vielfalt auch erhebliche Probleme mit sich. Durch die steigende Zahl an Kraftfahrzeugen, deren Sicherheitsstandard damals noch nicht so ausgeprägt war wie heute, kam es vermehrt zu Unfällen. Dies liegt wohl auch daran, dass zwar die Motorisierung im Laufe der Zeit immer weiter stieg, allerdings mit ihr nicht unbedingt eine sicherheitsrelevante Ausstattung des PKW. Viele Autounfälle hatten deshalb oft tötlichen Ausgang zur Folge. Bereits Ende der 50er Jahre wurde in Flensburg das Verkehrszentralregister errichtet, welches Verkehrsverstöße dokumentierte und festhielt und somit auch einen Überblick über die Verkehrsentwicklung der Bundesrepublik bot.

Das Auto entwickelte sich ab den sechziger Jahren immer mehr zu einem Statussymbol. Der Bürger, der seinen Stand nach außen präsentieren wollte, zeigte dies über das Automobil, in das er einstieg. Das bisher immer noch günstigste Vollwert-Auto war der Käfer. Er stellte für die meisten die erste Möglichkeit dar, sich zu mobilisieren.Aber VW stellte auch andere Fahrzeuge her. Für den gehobeneren Ansprüche gab es dann die Modelle der Mittelklasse, zu denen auch der Opel Kadett gezählt werden kann. Mit einem besser ausgestatteten Geldbeutel konnte man sich auch ein Fahrzeug der gehobenen Klasse leisten. Hierzu zählten vornehmlich die noblen Karossen von Mercedes und BMW, aber auch FORD oder Borgward gehörten dazu. Die letztgenannte Marke musste leider in den 60er Jahren Konkurs anmelden, obwohl das Modell Borgward Isabella Coupe zu den beliebtesten Spitzenmodellen seiner Zeit zählte.

Im folgenden möchte ich nun einige Fahrzeugmodelle kurz vorstellen.


BMW 501/502 "Barock-Engel"

Der BMW 500 war ganz das Auto seiner Zeit. Obwohl bereits in den fünfziger Jahren produziert, lief das Auto auch noch in den 60ern vom Band. Es war übrigens das erste Fahrzug weltweit mit einer V8 Aluminium-Maschine Eine sehr geschwungene Form verlieh ihm eine besondere Elleganz. Mit dem BMW 500 setzte das Automobilunternehmen seine Tradition nach dem 2. Weltkrieg fort. Bekannt wurde der "Barock-Engel" auch durch seine Verwendung als Polizeiauto. Die Polizei benötigte vor allem wegen der schweren und unverhältnismäßig großen Funkanalge ein Auto mit großem Kofferraum. Dafür eignte sich der BMW 501 ganz besonders. Deswegen fand das Auto nicht nur aus patriotischen Gründen in Bayern Verwendung als Polizeifahrzeug. Darüber hinaus war der Wagen in den 60er Jahren vielen Zuschauern der bekannten Fernsehserie "Funkstreife Isar 12 - bitte melden" auf der ARD bestens bekannt. Der damalige Kaufpreis betrug ca. 21.000 DM für dieses Auto.


Autos der 60er JahreFord Taunus 17 M"Badewanne"

Der Ford Taunus kann seine amerikanische Herkunft wahrlich nicht verneinen. Groß, gefällig, mit viel Chrom entsprach er dem Stil der 60er Jahre und vor allem den amerikanischen Vorbildern. Bei einem Hubraum von 1500 ccm und einer Leistung von 55 PS erbrachte der Wagen eine Höchstgeschwindigkeit von ca. 135 km/h. Darüber hinaus gab es den Wagen auch noch in weiteren Leistungsklassen mit 60 bis 75 PS und bis zu 1780 ccm Hubraum. Insgesamt wurden ca. 665.000 Fahrzeuge des M 17 (P 3) hergestellt. Der Wagen galt lange Zeit als ein Meilenstein der designerischen Schule.

VW Bus T1 "Bulli"

In den sechziger Jahren entdeckte Volkswagen, dass der Bedarf nach Autos langsam aber stetig stieg und auch andere Bedürfnisse befriedigt sein wollten. Mit dem VW Bus Modell T1, genannt "Bulli" deckte der Autobauer aus Wolfsburg ein ganz neuartiges Segment ab, nämlich den Bau eines Kleinstbusses für bis zu neun Personen. Darüber hinaus konnte der VW Bus auch als Transporter, Pritschenwagen oder sogar als Wohnmobil genutzt werden. Ähnlich wie der Käfer hatte der VW Bus eine durchgängige Bodenplatte, einen luftgekühlten Boxermotor mit zunächst 24,5 PS und Heckantrieb. Später wurde die Motorisierung bis auf 44 PS gesteigert. Der T1 entwickelte sich in den 60er Jahren zu einem buntbemalten Symbol der Hippie-Ära. Insgesamt verkaufte sich der VW Bus ca. Mio. Mal in den unterschiedlichsten Spielarten. Der T1 kostete damals rund 6.000 DM. Ein für damalige Verhältnisse recht moderater Preis für ein Transportfahrzeug. Für 2.000 DM bekommt man für den kleinen Transporter eine kompakte Inneneinrichtung, die aus dem Wagen einen passablen Campingbus macht. Als Modell "Samba" mit Panorama-Verglasung kann der geneigte Käufer das Spitzenmodell in der Camping-Variante erwerben. Bis zum Jahr 1968 hat Volkswagen ca. 1,8 Mio Exemplare dieses Kleinbusses verkauft. Auch in den USA ist das Fahrzeug sehr beliebt. Bis zum Fertigungsende des T1 liefert VW ca. 15.000 Exemplare in die Vereinigten Staaten.

VW 1600

Während in den 60er Jahren der unangefochtene Star von Volkswagen der Käfer war, so versuchte sich VW doch auch mit anderen Modellen am Markt zu etablieren. Als Mittelklassewagen kann hier der VW 1600 bezeichnet werden. Angeboten wurdes das Fahrzeug als Limousine oder Kombiwagen. Durch sein Stufenheckkonzept bot das Fahrzeug natürlich wesentlich mehr Platz als ein VW Käfer. Zudem besaß das Fahrzeug gegenüber dem Käfer einen wesentlich größeren Hubraum bis zu 1.500 ccm. Die Höchstgeschwindigkeit lag zwischen 120 und 135 km/h. Allerdings blieben die Produktionszahlen für den VW 1600 weit hinter denen des Käfers oder des Bullis zurück. Von VW Typ T3 wurden in den 60er Jahren rund 2,6 Mio. Stück produziert. Alleine 1,2 Mio. Exemplare entfielen dabei auf den Variant. Ab 1967 wurde der 1600er auch mit Automatikgetriebe hergestellt. Ansonsten hatte er das gleiche Prinzip wie auch der Käfer und der VW Bus zur Grundlage.

Opel Kapitän

Ganz und gar amerikanisch war der Opel. Seitdem General Motors Haupteigner bei dem Rüsselsheimer Autobauer war, prägte der amerikanische Stil auch die Autos. Der Opel "Kapitän" war in seinem ganzen Wesen ein US-geprägtes Auto, das wurde schon alleine durch die durchgängige Panorama-Frontscheibe auffällig. Der Opel "Kapitän" stellte stets das Oberklasse-Modell des Autobauers dar. Der "Kapitän" besaß einen durchgängien 6-Zylinder Reihenmotor und hatte einen Hubraum von 2,6 Litern. Das Modell wurde mit dieser Bezeichnung bereits seit Ende der 30er Jahre hergestellt. In den 60ern stieg die Motorisierung auf 90 PS, was zu einer Spitzengeschwindigkeit von 150 km/h führte. Zudem besaß der Wagen eine selbsttragende Karosserie. Ab 1962 konnte der Kapitän auch mit Servolenkung erworben werden. Alleine das hier abgebildete Modell wurde  bis zum Februar 1964 in der stolzen Stückzahl von 146.000 produziert. Als 6-Zylinder-Modell lag der Wagen in der Zulassungsstatistik noch vor Daimler Benz. Allerdings war auch dieser Wagen nur etwas für den gehobenen Geldbeutel, denn das Auto kostete zwischen 9.975 und 14.500 DM. Dafür musste ein Westdeutscher Bürger damals schon ziemlich tief in die Tasche greifen.

Mehr zum BMW 501/501 auf Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/BMW
Zur Geschichte des VW Typ 3 auf: http://www.typ3.com/index.htm
Interessantes zu dieser Zeit im Straßenverkehr gibt's auf: http://www.epoche-3.de/strasse.php

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