In
den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts etablierte sich nun in den deutschen
Wohnzimmern das Fernsehgerät. Die
Fernsehsendungen waren im Großen und Ganzen noch bieder anzusehen, aber sie setzten
bereits auf einige, variantenreiche Formate. Der
informative Charakter der Sendungen überwog noch zum größten Teil. Im Laufe der Zeit stieg der Anteil der Fernsehunterhaltung durch speziell für das TV gedrehte Filme
beständig an. Gab es zunächst nur den ARD als einzige öffentlich-rechtliche Sendeanstalt, kam im März 1963 das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) ebenfalls als öffentlich-rechtlicher Sender hinzu. Das
Fernsehprogramm trat in eine Art Wettbewerb der zwei großen
Sendeanstalten. Es wurde dadurch noch vielfältiger. Die Werbung hielt jetzt
Einzug ins Fernsehen. Die Pausen zwischen den einzelnen
Werbespots wurde im ZDF mit den Mainzelmännchen - kleinen niedlichen Zeichentrick-Zwergen aufgelockert. Wen
interessierte da als Kind noch die Werbung. Ganze Generationen wurden
mit den kleinen beschaulichen Kerlchen groß. Im Zeitalter von Internet, Handy und Nintendo haben sie jedoch viel von ihrer Zugkraft verloren. An Informationssendungen liefen unterschiedliche Formate. Für den Tierfreund gab es Bernahrd Grzimeks "Ein
Platz für Tiere", der "Internationale Frühschoppen" mit Werner Höfer bediente die politisch interessierte Masse und das Sportgeschehen wurde von der "Sportschau" abgedeckt. Für Wissbegierige hielt der ARD das "Telekolleg" vor. Ab 1966 kamen die Bilder bunt aus der Flimmerkiste. Das Farbfernsehen startete in Deutschland. Die ersten Farbfernsehgeräte kosteten entsprechend viel, so dass in den meisten Familien bis
weit in die 70er Jahre das Schwarz-weiß-Fernsehen vorherrschte.
Für die Freunde der fiktionalen Welt rauschte damals das Raumschiff Orion über den Bildschirm und Inge
Maisel als Mutter der Nation beglückte uns in der Sendung "Die
Unverbesserlichen". Natürlich dürfen nicht die ersten Fernsehshows als Unterhaltungssendungen vergessen werden. "Was
bin ich" mit Robert Lembke, die ihren Ursprung bereits in den 50er
Jahren hatte, dazu der "Goldene Schuss" mit Lou van Burg und seit dem
Ende der 60er Jahre auch Rudi Carell mit "Am laufenden Band" sorgten für nahezu zwei Jahrzehnte entspannende Abendunterhaltung auf dem heimischen Sofa. Die
Kinder konnten sich an der "Augsburger Puppenkiste" mit dem Kater Miekesch erfreuen. Es war an Jeden und jede Altersklasse gedacht.
Harte
Konkurrenz also für das bis dahin bestimmende Medium mit den bewegten Bildern. Noch besuchten viele Menschen die Kinovorführungen, denn die neuesten Filme
liefen nicht wie heute bereits sechs Monate später im Fernsehen. Dazu musste man
schon weiterhin ins Kino gehen. Während in Deutschland der
Heimatfilm in den 60ern noch fröhliche Urständ feierte, brillierten die großen
Lichtspielhäuser mit Cinemascope und Filmen wie "Ben Hur" oder
"Doktor Schiwago" und in Großbritannien wurde der legendäre Film "Blow
Up" gedreht. Allerdings liefen in Deutschland auch nicht nur belanglose Schmacht- und
Heimatfilme. Die Verfilmung des Karl May Klassikers "Winnetou" mit
Pierre Briece und Lex Barker in den Hauptrollen entwickelte sich zu einem erfolgreichen
Kassenschlager, nicht nur in Deutschland. Nach diesem großen Erfolg drehte man im Anschluss so ziemlich alles, was man mit dem Namen Winnetou in Verbindung bringen konnte. An den Erfolg des Erstlingswerks konnten die Produzenten jedoch nicht mehr anknüpfen. Es sollte nicht vergessen werden, dass auch ein anderer deutscher Name durch die Winnetou-Reihe in Deutschland Berühmtheit erlangte. Uschi Glas feierte als Häuptlingstochter Apanachi damals
in Deutschland ihr großes Filmdebut.
Hinzu kamen eine Menge Kriminalfilme, wie z.B. "Das Gasthaus an der Themse" und noch weitere Edgar Wallace Verfilmungen. Klaus Kinski und Joachim Fuchsberger bildeten als Schauspieler die Starbesetzungen bei diesen Klassikern. Und dann gab es natürlich auch deutsche Filmstars, die über Deutschland hinaus erfolgreich waren und sich in der Traumfabrik Hollywood einen Namen machen konnten. Zu ihnen zählten z.B. das Geschwisterpaar Maria und Maximilan Schell, Horst Buchholz und Hansjörg Felmy, um nur einige wenige Namen zu nennen. Erwähnenswert ist auch die filmische Auseinandersetzung mit der jüngeren, deutschen Geschichte. Bernhard Wickies Antikriegsfilm "Die Brücke" aus dem Jahr 1960 thematisiert den Wahnsinn des Dritten Reichs zum Kriegsende. Er schildert sehr drastisch, wie dabei junge Menschen dem Krieg geopfert wurden. Volker Lechtenbrink und Fritz Wepper bewiesen als junge HJ-Darsteller sehr überzeugende Schauspielleistungen.
Von einer sich anbahnenden großen Filmkrise war die deutsche Kinolandschaft in den 60er Jahren noch entfernt, obgleich sich am Horizont der Umschwung andeutete. Steigende Verkaufszahlen von Fernsehgeräten waren die Vorboten der kommenden Kinokrise. Wäre hätte da wohl gedacht, dass es das Kino eines Tages schwer haben könnte, gegen die Konkurrenz des Fernsehens zu bestehen? Die Besucherzahlen der Kinos waren jedenfalls ab Mitte der sechziger Jahre rückläufig.
Wie
verhielt es sich mit dem heimischen Rundfunk? Das Radio war nach wie vor
das bestimmende Audiomedium. Verstärkt trat die bereits in den 50er Jahren vertriebene
Schallplatte hervor, da die Abspielgeräte im Laufe der Zeit verfeinert und zudem in der Produktion auch billiger wurden. Die Musiktruhen gehörten nun zu jedem Haushalt. Wer
es sich leisten konnte, schaffte sich ein Tonband an. Damit war es
möglich, seine Lieblingsmusik mittels eines analogen Aufnahmegeräts auf ein Magnettonband zu bannen. Über
Radio Bremen verbreitete Chris Howland, genannt Mr. Pumpernickel, die
Beatmusik, die von England aus auch nach Deutschland herüber schwappte.
In der deutschen Hitparade herrschten die deutschen Schlagerinterpreten vor. Mit Schlagermusik belagerten Roy Black, Siw Malmquist, Manuela, Nana Muskouri,
Rex Gildo und Gitte Haening, sie alle sangen deutsches Schlagergut, die deutschen Radiostationen.
Nicht zu vergessen der junge Heintje, der mit seinem "Mama" und "Ich
bau dir ein Schloß" der Liebling aller Mütter war.
Beatmusik löste den Rock 'n' Roll ab und galt ebenso wie dieser als Musik der "Halbstarken". Die besuchten den
"Star-Club" auf der Hamburger Reeperbahn und hörten dort zu Beginn der
60er Jahre die noch sehr jungen Beatles. Als diese vier Jungs aus Liverpool
ihren Siegeszug durch die Welt starteten, hatten sie sich in Deutschland ihre Sporen verdient und verfügten deshalb dort über einen hohen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad. Deutschland galt als Sprungbrett für alle Beatkünstler Europas. Deshalb nahmen die meisten Stars trotz unzureichender Deutschkenntnisse einige ihrer Songs auch mit deutschen Titeln auf. Selbst die Beatles taten das mit Songs wie "I wanna hold
your hand" (Komm' gib mir deine Hand) oder "She loves you" (Sie liebt
dich). Die deutschen Fans kreischten bei den wenigen Konzerten der "Fab Four" z.B. im Zirkus Krone nicht weniger als dies die Fans in
England oder in Frankreich taten. Die Beatle-Mania hatte seit Mitte der 60er Jahre auch die
Bundesrepublik erfasst. Als deutscher Vertreter der Beat-Musik darf
Drafi Deutscher mit seinem unvergesslichen Klassiker "Marmor, Stein und Eisen bricht" nicht unerwähnt bleiben.
Noch heute, Jahrzehnte nach der Veröffentlichung, können Junge wie Alte dieses Lied mitsingen.
Neben dem Beat war in den 60er Jahren natürlich auch der Twist ein wichtiger Bestandteil der Musikszene. Chubby Checkers "Let's twist again" war nur einer von vielen Hits dieser Stilrichtung. Mit dem Twist verselbständigten sich übrigens die Tänzer auf der Tanzfläche. Der Körperkontakt mit dem Tanzpartner stand nicht mehr im Vordergrund. Die Voraussetzung für einzeln und individuell tanzende Personen in der Discothek war geschaffen. Auf deren Tanzflächen tummelten sich nun Scharen von Tänzern, die nur noch mit sich selbst beschäftigt waren..
Das gediegenere Publikum nutzte in den sechziger Jahren noch immer den Tanztee mit den entsprechenden Standardtänzen, auch wenn diese Form der Unterhaltung langsam aber sicher ausstarb. Diskotheken und Pop- und Rockkonzerte lösten die von der Jugend als verstaubt angesehenen Tanztee-Veranstaltungen im Laufe der Zeit nach und nach ab.