Film und Funk in den 50ern

Kino und Rundfunk

Das wichtigste Medium im Deutschland der Fünfziger Jahre war nach wie vor die Tageszeitung, erst dann kamen andere Printmedien wie Illustrierte, für die intellektuellen Kreise die Taschenbücher und danach die Medien Rundfunk und Film. Während in den USA bereits durch die Verbreitung des Fernsehens ein großes "Kinosterben" eingesetzt hatte, trat dies in Europa mit einer Verzögerung von rund 10-15 Jahren auf. Fernsehgeräte waren ein besonders teurer Luxus, den sich nur eine gut betuchte Schicht leisten konnte. Ein einfacher Arbeiter musste fast zwei Jahre arbeiten, um sich ein solches Gerät leisten zu können. Zudem war das Programmangebot in Deutschland noch stark begrenzt. Erst in den sechziger Jahren kippte das Verhältnis Kino zu Fernsehen.
 Nach dem Krieg renovierten die Betreiber deutscher Lichtspielhäuser ihre Säle aufwendig und passten sie dem Geschmack der 50er Jahre im Interieur entsprechend an. Die Preise für einen Kinobesuch betrugen zwischen 40 Pfennig für das Parkett und 2 DM auf dem Rang und waren somit sehr moderat. Die Kinos waren geräumig und Säle mit 600 Personen und mehr waren keine Seltenheit. Dazu trugen die bekanntesten Häuser wohlklingende Namen wie "UfA-Palast", "Capitol", "Bali" oder "Scala" und hatten somit in ihrem Namen zugleich etwas Mondänes.

filmplakate der 50er jahreDas filmische Angebot war überwiegend von heimischen Produktionen geprägt. Obwohl es auch genügend amerikanische Filme gab, erfreute sich vor allem der deutsche "Heimatfilm" als eigenständiges deutsches Genre bei den Kinobesuchern größter Beliebtheit. Bis weit in die sechziger Jahre wurden so an die Hunderte, von zum Teil sehr schmalzigen Werken produziert. Filme wie die "Sünderin", die mit einem zehnsekündigen Nacktauftritt von Hildegard Knef für einen handfesten Skandal sorgten, waren da eher die Ausnahme. Neben der seichten Unterhaltung widmeten sich die deutschen Regisseure aber auch kritischen Themen und versuchten die Schrecken des Krieges in filmischen Stoffen aufzuarbeiten (Die Brücke). Der erste Nachkriegsfarbfilm war allerdings ein Heimatfilm, der den Namen "Schwarzwaldmädel" trug und sage und schreibe 7 Mio. Kinobesucher in die Lichtspielhäuer lockte. Die Streifen der Traumfabrik Hollywood wurden dagegen sehr verhalten in Deutschland aufgenommen, die Inhalte aber gerne auch von deutschen Produzenten adaptiert und in eigenen Produktionen umgesetzt. So z.B. auch die Filme von James Dean oder Marlon Brando, die ihre Entsprechung in dem deutschen Pendant Horst Buchholz fanden. Zusammen mit der damals noch unbekannten Karin Baal verkörperte er in dem Film "Die Halbstarken" einen ähnlichen Typ des unverstandenen Jugendlichen. Neben der leichten Unterhaltung bot das Kino zusätzlich eine Illustrierte in bewegten Bildern an. Die meist viertelstündige Wochenschau, die als Vorprogramm des eigentlichen Films lief, brachte Informationen und Wissenswertes aus aller Welt und wurde ebenso gerne vom Publikum konsumiert. Die USA brachten mit neuen technisch ausgereiften Verfahren wie dem Dolby System oder CINEMASCOPE hervorragende Neuerungen in die Kinos, bei denen das Fernsehen nicht mithalten konnte. Dies technischen Finessen wurden insbesondere in Monumentalproduktionen wie z.B. "Das Gewand", "Die zehn Gebote" oder auch dem erfolgreichen Kinofilm "Ben Hur" angewandt.

Den 7 Mio Kinobesuchern im Jahr 1950 standen einmal gerade 7.000 Besitzer von Fernsehgeräten gegenüber. Diese Zahl sollte sich im Laufe des Jahrzehnts allerdings verzehnfachen. Vor allem die Übertragung der Fußballweltmeisterschaft gab dem Ganzen einen kräftigen Schub. Bis dahin war es jedoch üblich, dass man sich in so genannten Fernsehstuben zusammenfand und die Sportübertragung als kollektives Erlebnis genoss. Die Fernsehunterhaltung war noch sehr eingeschränkt. Es gab als öffentlich-rechtlichen Anbieter lediglich die Programme der ARD. Meist begann das Programm am Nachmittag und endete spätestens gegen 21:30 Uhr. Quiz- und Wissenssendungen sowie Sport- und Nachrichtenübertragungen machten den größten Anteil aus. Bekannte Namen der Fernsehszene der ersten Stunden waren z.B. Peter Frankenfeld, Lou van Burg oder Robert Lemke. Die Bildqualität der Fernseher ließ noch vielfach zu wünschen übrig, so dass in der Anfangszeit das Fernsehen gegenüber dem Kino in Deutschland keine Konkurrenz war.

rundfunkwerbung der 50erAnders hingegen sah es beim Rundfunk aus. Zunächst einmal musste sich Deutschland komplett umstellen. Nach dem verlorenen Krieg wurden Deutschland lediglich schlechte Rundfunk-Frequenzen zugeteilt, die es fast unmöglich machten, landesweite Hörfunkprogramme zu senden. Aus der Not heraus entschieden sich die Verantwortlichen in Deutschland für den Einsatz der sog. Ultrakurzwelle. Schon bald stellte man fest, dass UKW wesentlich klarere Übertragungen ermöglichte. Das Radio war auch nach dem 2. Weltkrieg eines der bedeutsamsten Medienträger. Anfangs noch in Zigarrenkisten gebaut, wegen der schlechten Rohstofflage, entwickelten die deutschen Unternehmer, die bereits vor dem Krieg Radiogeräte von Spitzenqualität produzierten, hervorragende Produkte. Raumklangverfahren, Stations- und Sendertasten, das magische Auge und weitere Rafinessen verfeinerten die Geräte. Zudem wurden mit zunehmender Zeit erkannt, dass das Radiogerät neben seinem funktionalem Charakter auch ein schmuckes Möbelstück sein kann. In Musiktruhen wurden ganze Phonoeinheiten verbaut. Neben dem Radiogerät fand sich gerade in begüterten Haushalten ein Musikschrank, der  zusätzlich zum Radio noch einen Plattenspieler beinhaltete und/oder ein Tonbandgerät besaß. Allerdings waren solche "High-End-Geräte" nur etwas für den wirklich betuchten Geldbeutel.

Die Radioprogramme waren schon bald wieder im vollen Gange. Während die Älteren noch Heimatlieder lauschten, vergnügte sich die Jugend an der im Dritten Reich verbotenen Musik wie Jazz, Bebop und natürlich dem Rock 'n' Roll. Diese neuartige Musikrichtung wurde insbesondere über den amerikanischen Soldatensender AFN verbreitet.

Besonders bedeutsam war als Medium auch die Schallplatte, deren Produktion und Absatz bis zur Mitte der 50er Jahre auf über 31 Mio. produzierter Tonträger anstieg. Zudem konnten seit 1958 die ersten Schallplatten in dem neuartigen Stereo-Verfahren aufgenommen und abgespielt werden, was diesem Tonträger einen ganz neuartigen Klang verlieh. Mit dem Abwenden von der empfindlichen Schellack-Platte hin zur wesentlich robusteren Vinyl-Scheibe wurde ein neuer Meilenstein gesetzt. Besonders beliebt waren die Singles. Spezielle Vorrichtungen bei den Plattenspielern ermöglichten das Abspielen von oftmals bis zu 10 Singles nacheinander, so dass die Plattenspieler fast wie einem heutigen CD-Wechsler glichen. Schlagerstars wie Lys Assia, Caterina Valente, Vico Torriani, Gus Bachus oder Bill Ramsey aber auch Ted Herold als deutscher Elvis und Peter Kraus halfen dabei kräftig mit. 

Im Jahr 1956 wurde zum ersten Mal ein europäischer Gesangswettbewerb durchgeführt, der so genannte Grand Prix d' Eurovision de la Chanson (gewonnen hat Lys Assia für die Schweiz). Durch die Einführung des Transistors gelang es auch bald, die Geräte kleiner und leichter zu gestalten und im Zuge der mobiler werdenden Gesellschaft warben die Firmen gezielt mit portablen Plattenspielern und Radiogeräten, die einen auf jeder Reise begleiten konnten. Schon bald begleiteten ganze Heerscharen von tragbaren Kofferradios und Plattenspieler ihre Besitzer in den Urlaub.

Beliebte Musikinterpreten und Ihre Titel in den 50ern:

Hier nun eine kleine Auswahl der beliebtesten Musikunterhaltung in Deutschland. Zusätzlich habe ich noch ein paar Plattencover von damals mit abgebildet. So ist deutlich zu erkennen, dass das Plattencover in jener Zeit noch nicht als eigenständiges Kunstobjekt gesehen wurde, sondern lediglich dazu diente, dem empfindlichen Tonträger zu schützen.

platten-cover der 50er Freddy Quinn: - Heimat - Fernweh - Die Gitarre und das Meer


Peter Kraus: - Hula Baby

Ted Herold: - Moonlight

Lys Assia: - Oh, mein Papa

Vico Torriani: - Kalkutta liegt am Ganges - Bravo, beinah wie Caruso

Die kleine Corinna: - Pack die Badehose ein

Gus Bachus: - Der Mann im Mond

Bill Ramsey: - Die Zuckerpuppe von der Bauchtanztruppe - Ohne Krimi geht die Mimi...

...und jetzt verlassen wir den deutschen Schlagersektor und betrachten einmal kurz, was sich so die "Halbstarken" in Deutschland anhörten. Leider wurde die Musik von den konservativen Kreisen gerne als "Negermusik" tituliert. Was würden diese Leute heute wohl zu einem Rap von so genannten Gangsta Rapper sagen?

Bill Haley: - Rock around the Clock - Shake, Rattle and Roll - Skinnie Minnie

Kingston Trio: - Tom Doley

Elvis Presley: - Heartbreak Hotel - Don't be cruel

Buddy Holly: - Peggy Sue - Oh Boy - Hearbeat

Chuck Berry: - Sweet Little Sixteen - No Particular Place to go - Almost Grown

Brenda Lee: - Sweet Nothings

Connie Francis: - Lipstick on Your Collar - Stupid Cupid - Die Liebe ist ein seltsames Spiel




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